Eine „OPEN Week“ im Vorfeld einer WM dient den Aktiven zum Vertraut machen ihrer Jolle mit dem jeweiligen Segelrevier und Auftakt für das anstehende alljährliche Highlight des Jahres, der Weltmeisterschaft in der Europe-Class. Nach Platz sechs bei der WM im Vorjahr auf dem Gardasee war für Nadja ein erneut gutes Ergebnis ihr Ziel. In diesem Jahr hieß es, die Danziger Bucht zu „rocken“.
Sturm verhinderte aber am ersten Tag gänzlich eine Wettfahrt und auch am zweiten Tag wurde erst spätnachmittags gestartet. „Dort war es dann auch schon so, dass die Welle in der Ostsee richtig hoch war und nicht unbedingt aus der Windrichtung kam, was alles bisschen merkwürdig gemacht hat. Aber auch ganz spannend, vor allem weil die Welle viel höher war als wir das so gewohnt sind von unseren Seen in Deutschland“.

Ihr Fazit: die drei Vorbereitungstage ließen sie mit Platz sechs genau dort landen und ihr somit ein gutes Gefühl für die eigentlichen Regattatage bei der WM vermitteln. „Einfach COOL“, so ihre Aussage. Einen Tag vor der WM startet mit dem Nations-Cup ein Teamwettbewerb. Den ließ sie aber aus, aus Erfahrung der drei Tage, besser eine Pause.
Denn mit diesen ungewohnten Rahmenbedingungen „Sturm in der Danziger Bucht“ startete dann auch die Weltmeisterschaft der Europe-Segler. Dieses führte auch hier zu einem verspätetem Regattabeginn von zwei Tagen.
Nach dieser Zwangspause im Hafen brannten alle 29 Seglerinnen aus 7 Nationen darauf, endlich die Segel zu setzen. Die Wetterprognose für einen Start war gut, es musste aber dennoch bis zum Nachmittag gewartet werden. Der Wind ließ im Vergleich zum stürmischen Vormittag zwar etwas nach, beim Auslaufen pfiffen dennoch knackige 17 bis 21 Knoten über das Wasser. Da die Bedingungen heikel waren, entschied sich der Wettfahrtleiter gegen das klassische Inner- und Outerloop-Format und legte einen reinen Up-and-Down-Kurs aus. Die drei Wettfahrten am ersten Tag waren ein absoluter Ritt! Es gelang ihr ein starker Auftakt mit den Plätzen 3, 4 und 6 und Zwischenplatz 4.
Am zweiten Segeltag herrschten erneut anspruchsvolle Bedingungen auf dem Wasser. Schon beim Auslaufen war der Wind ordentlich spürbar, und im Laufe des Tages nahm er noch einmal deutlich zu – in Böen 26kn. Dazu kam eine mittlere Welle, die sich auch heute aus zwei Richtungen überlagerte. Das Highlight des Tages war, dass endlich Inner- und Outer Loop gefahren wurden. Die Männer gingen zuerst auf den Outer Loop, die Frauen auf den Inner Loop. Das spannende dabei ist, dass die Welle auf den beiden Kursen unterschiedlich war. Nach einem 8. Platz zu Beginn (diese sollte im Nachhinein ihr erstes Streichergebnis sein) folgten mit Platz 4 und 3 Ergebnisse, die sie noch auf das Podium schielen ließen.
Der dritte und letzte Segeltag war geprägt von leichteren Winden und etwas beruhigter See. Erneut wurden drei Läufe gestartet. Freude herrschte auch über die Breite der Startlinie, sie konnte erstmals auch der Größe des Damenfeldes angepasst werden. Mit Platz 10 und wiederum einem Streichergebnis zu Beginn des Schlusstages folgte Platz 5. Dort lag sie auch gesamt vor der abschließenden Wettfahrt. Hier passte dann aber alles für sie: Sie konnte nicht nur eine Spanierin noch von Gesamtplatz 4 verdrängen, sondern erstmals gelang ihr bei einer WM ein Wettfahrtsieg. Kurz hinter ihr kam die seit Kinderjahren gleichaltrige Segelfreundin und im Gesamtklassement spätere Vizeweltmeisterin Sophie Menke vom Dümmer. So war die Freude bei beiden riesengroß.

Für die 24 jährige vom Segel-Club bedeutete Salzgitter Platz 4 ihr persönlich größter sportlicher Erfolg bei einer WM. Es gewann sehr souverän die 40-jährige Belgierin Marie-Amandine Vandeghinste mit 3 Wettfahrtsiegen und drei 2. Plätzen, auf Platz drei kam die fast 50 jährige Weronika Glinkiewicz-Madej. Nach mehreren Jahren Wettkampfabwesenheit war das heimische Segelrevier vor Danzig für die polnische Olympiateilnehmerin von Atlanta 1996 noch einmal Antrieb für ihre Rückkehr in den Regattasport, mit beschriebenem Erfolg!
So kann Nadja bei einem nächsten Besuch am Club unserer Jugend wieder über ihre Erlebnisse von Danzig berichten und ihre Erfahrungen eines offenen Gewässers weitergeben. Der SCSz freut sich mit Dir, Nadja, über dieses herausragende Ergebnis bei einer WM.